● 20.4.2021 | Warum Parken in Pirna jetzt mehr kostet

🕑 Lesezeit: 4 Minuten

Der Pirnaer Stadtrat hat in seiner Sitzung am 13. April 2021 die Neufassung der Parkgebührenordnung beschlossen und folgt damit der Empfehlung des Beirates für Stadtentwicklung und Lokale Agenda.

Nach meiner Meinung ist die Erhöhung der Parkgebühren im öffentlichen Raum vordergründig aus Sicht einer möglichen Verringerung des Autoverkehrs in der Altstadt und damit zur Verbesserung der Lebens- und Aufenthaltsqualität für die Pirnaer und die Gäste unserer Stadt zu betrachten.

Warum Parken auf öffentlichen Stellplätzen teurer wird

Die Auslastung der Stellplätze im öffentlichen Straßenraum liegt in der Innenstadt ganztägig auf einem hohen bis teilweise sehr hohen Niveau. Hinzu kommt eine hohe Auslastung im öffentlichen Straßenraum durch den Park-Such-Verkehr. Dem gegenüber sind ausreichend freie Kapazitäten in den zentrumsnahen Parkhäusern vorhanden. Hier liegt die Auslastung bei den Kurzzeitstellplätzen selbst in Spitzenzeiten nie über 60 %.

Dieses organisatorische Problem im Parkraumangebot ergibt sich unter anderem aus dem Missverhältnis der Parkgebühren im öffentlichen Straßenraum gegenüber den Parkgebühren in Parkhäusern. Über die beschlossene Neufassung der Parkgebührenordnung hat der Stadtrat nun die Preise so gestaltet, dass die Parkstände im öffentlichen Raum teurer sind als in Parkhäusern.

Bereits im Juli 2020 hatte der Stadtrat die vorerst testweise Unterbindung der Marktdurchfahrt beschlossen. Mit der Möglichkeit der Umlenkung des Park-Such-Verkehrs aus dem Straßenraum heraus in die Parkhäuser ist nun ein weiterer wichtiger Schritt zur Erhöhung der Aufenthaltsqualität in der Altstadt für die Pirnaer und unsere Gäste getan.

Aus meiner Sicht war es im Sinne der Sache nicht förderlich, dass die Diskussion um eine Erhöhung der Parkgebühren im Vorfeld der Stadtratssitzung vordergründig unter der Prämisse der Verbesserung der Einnahmesituation für die Stadt Pirna geführt wurde. Dies ist auch nicht im Sinne der Pirnaer.

Insbesondere die Innenstadtbewohner fordern zu Recht das Handeln des Stadtrates und der Stadtverwaltung ein, geeignete Maßnahmen zu diskutieren und umzusetzen, die der Verkehrsberuhigung und damit der Erhöhung der Wohn- und Aufenthaltsqualität in der Altstadt dienlich sind. Die Erhöhung der Parkgebühren ist somit keine akute finanzpolitische, sondern eine seit Jahren überfällige verkehrspolitische Entscheidung.

Mein Redebeitrag zur Stadtratssitzung am 13. April 2021

In der Sitzung des Beirates für Stadtentwicklung und Lokale Agenda haben am 17.09.2020 die Vertreter aller Fraktionen die Neufassung der Parkgebührenordnung unter dem Gesichtspunkt der Entlastung des öffentlichen Straßenraums vom Parken und vom Park-Such-Verkehr diskutiert.

Dabei war das Ziel, worüber sich vor der Stadtratswahl auch die Mehrheit der Kandidaten einig waren: Wir wollen gemeinsam das Verkehrsproblem in der Altstadt lösen. Mit dem Beschluss zu einem Verkehrsversuch zur Unterbindung der Marktdurchfahrt hat der Stadtrat den ersten Schritt getan, Verkehr aus dem Stadtzentrum herauszunehmen.

Bereits in der Diskussion um die Unterbindung der Marktdurchfahrt habe ich ausführlich dargestellt, dass der Innenstadthandel nicht alleinig vom Vorhandensein von öffentlichen Parkplätzen in Geschäftsnähe profitiert. Umsatz und Erfolg werden vielmehr durch das Zusammenwirken aus dem Engagement der Einzelhändler selbst und der Aufenthaltsattraktivität der Altstadt erzielt. Nur wenn es uns gemeinsam gelingt, mehr Menschen und damit potenzielle Kunden zu motivieren öfter und länger in der Innenstadt zu verweilen, hat der Einzelhandel die Möglichkeit Umsatz zu generieren.

Was sagt der vom Stadtrat beschlossene VEP Pirna 2030?

„Der VEP Pirna hat als Ziel die Verbesserung des Parkraummanagements und damit einhergehend die Steigerung der Attraktivität der Innenstadt für Bewohner, Besucher und Kunden. Ein wichtiges Werkzeug dabei ist die Parkraumbewirtschaftung.“

Lassen Sie mich Ihnen die aktuelle Situation darstellen:

Im Rahmen der Konkretisierung des VEP Pirna 2030 fand im Oktober/ November 2020 an drei ausgewählten Wochentagen eine Parkraumerhebung in der Pirnaer Innenstadt statt. Diese hat ergeben, dass die Auslastung der Stellplätze im öffentlichen Straßenraum bzw. den Parkplätzen im gesamten Tagesverlauf zwischen 80% und 90 % teilweise sogar bei über 90% und nahe der Kapazitätsgrenze liegt, so dass von einem hohen bzw. sehr hohen Parkdruck gesprochen werden kann.

Im Gegensatz zum öffentlichen Straßenraum stellt sich die Situation in den Parkhäusern (Altstadt, Stadtmitte, Steinplatz, Scheunenhof) deutlich entspannter dar. Die Auslastung der Parkhausstellplätze bewegt sich selbst zu Spitzenzeiten bei lediglich zwischen 50 bis 60 %. Damit sind in der Regel zwischen ca. 230 bis 290 Stellplätze in den Parkhäusern als Kapazitätsreserven vorhanden.

Neben bekannten Gründen, weshalb Kfz-Nutzer Parkhäuser meiden (ungünstige verkehrliche Lage und Beschilderung, Platz, Beleuchtung, soziale Sicherheit, etc.), spielt in Pirna offensichtlich die Preisgestaltung eine entscheidende Rolle.

Derzeit ist das Parken im öffentlichen Straßenraum günstiger als in den Parkhäusern, bei gleichzeitig hohem bis sehr hohem Parkdruck im öffentlichen Straßenraum und freien Kapazitäten in den Parkhäusern. Es kann vermutet werden, dass ein nicht unerheblicher Teil der Fahrten des Individualverkehrs in der Innenstadt dem Parksuchverkehr zuzuordnen ist. Die Parkraumerhebung unterstreicht deshalb die Notwendigkeit, über eine Neufassung der Parkgebührenordnung lenkend einzugreifen.

Zusammenfassung | Die Auslastung der Stellplätze im öffentlichen Straßenraum liegt in der Innenstadt ganztägig auf einem hohen bis teilweise sehr hohen Niveau. Dem gegenüber sind jedoch außerhalb des öffentlichen Straßenraumes ausreichend freie Kapazitäten in den nahegelegenen Parkhäusern vorhanden. Hier liegt die Auslastung bei den Kurzzeitstellplätzen selbst in Spitzenzeiten nie über 60 %.

Fazit | Die Diskussion um eine Erhöhung der Parkgebühren vordergründig unter der Prämisse der Verbesserung der Einnahmesituation für die Stadt Pirna zu führen, ist nicht im Sinne der Pirnaer. Insbesondere die Innenstadtbewohner fordern zu Recht das Handeln der Entscheidungsträger ein, die Attraktivität der Altstadt durch Reduzierung des Park-Such-Verkehrs und andere Maßnahmen, die der Verkehrsberuhigung dienen, zu erhöhen.

Die hohe Auslastung im öffentlichen Straßenraum und auf Parkierungseinrichtungen, sowie die gleichzeitig vorhandenen Kapazitätsreserven in den Parkhäusern deuten auf ein organisatorisches Problem im Parkraumangebot hin. Dies ergibt sich unter anderem aus dem Missverhältnis der Parkgebühren im öffentlichen Straßenraum gegenüber den Parkgebühren in Parkhäusern.

Grundsätzlich sollte die Stadt Pirna hier bestrebt sein, die Preise so zu gestalten, dass die Parkstände im öffentlichen Raum teurer sind als in Parkhäusern. Dem Stadtrat ist eine Lenkungsmöglichkeit über Neufassung der Parkgebührenordnung gegeben. Ich bitte um ihre Zustimmung zum Vorschlag des Beirates für Stadtentwicklung und Lokale Agenda zur Neufassung der Parkgebührenordnung.


✅ Gern können Sie den Facebookbeitrag zu diesem Artikel Beitrag liken, kommentieren und mit Freunden teilen. Vielen Dank.

Die neuesten Nachrichten aus Pirna erhalten Sie hier als Abonnent als Erster.


Lesen Sie auch die vorherigen Beiträge

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s